Tage am Meer, oder  brennen soll Hildegard

Da ich jetzt schon einen Blog habe, möchte ich hin und wieder über besondere Ereignisse oder Erkenntnisse schreiben, allerdings nur, wenn ich auch wirklich etwas zu berichten habe.

Und dieses Mal gibt es etwas zu berichten. Anfang Januar waren Nena und ich auf Norderney, mit dem Ziel Strandbilder mit Pudelmütze, Wellen, Wind und Weite zu machen. Vielleicht kennt der ein oder andere den Bildband „Friday´s child“ von Andreas Jorns, die monochrome Unendlichkeit dieser Bilder, das eins werden von Strand und Himmel wollten Nena und ich unbedingt auch einmal probieren.

Und was hat das mit Hildegard zu tun und warum war ich, selber unfassbar unmusikalisch, kurz vor der Reise dann stolzer Besitzer zweier Gitarren? Erst einmal nichts, die Erklärung folgt etwas später…

Trockenes Wetter, 5 Grad und über den Himmel jagende Wolkenfetzen waren perfekt und der erste Tag begann dann auch sehr passend mit einem fantastischen Sonnenaufgang. In diesem Ensemble von Rot- und Pastelltönen leisteten uns kurioserweise drei Damhirsche am Strand Gesellschaft und würdigten uns keines Blickes. Den ganzen Tag über fuhren wir mit Rädern über die Insel und konnten so verschiedenste Blickwinkel, Impressionen und Stimmungen einfangen. Mit der für sie typischen Lebensfreude lief Nena am Meer entlang, kletterte auf Holzgerüste, spielte Gitarre in den Dünen und trotzte tapfer dem eiskalten Wind und am zweiten Tag auch fiesem Nieselregen.

So entstanden Bilder, die für uns mehr sind, als nur „mittelalter Mann scheucht junge Frau über eine verfrorene Insel“, sondern Ausdruck eines gelungenen Projektes.

Und Hildegard? Hildegard haben wir die (defekte) Gitarre genannt, die wir die Tage mitgeschleppt haben. Ich hatte, auf Nummer sicher gehend, gleich bei mehreren Ebay-Auktionen mitgeboten und war heilfroh, dass ich bei Gitarre Nummer drei 38 Sekunden vor Schluss überboten wurde. :-)

Hildegard sollte eigentlich ein dramatisches Ende nehmen, denn eine unserer Inspirationen war das Bild einer Frau, die lässig bei Sonnenuntergang eine brennende Gitarre hinter sich herzieht. Ich hatte die lässige Frau, den passenden Strand, den passenden Sonnenuntergang und einen ganzen Topf Brennpaste. Alle hatten uns gewarnt, ein Abbrennen von Norderney erwartet, aber in der Realität erhielten wir ein kleines Flämmchen, die Saiten lösten sich und stehen seitdem wirr von Hildegards Kopf und der Wind pustete unser Inferno nach gefühlten 6 Sekunden aus.

Was bleibt? Tolle Erinnerungen, die Erkenntnis, dass Nena so gut klettert wie ich Gitarre spiele und wir beide uns in einer Einbahnstraße verlaufen könnten. Ach ja und einige Bilder..

Olaf Korbanek1 Comment