untold stories

Das hier liest ja niemand, daher kann ich offen sprechen.😉 Cindy Crawford definiert für mich seit 30 Jahren das Sinnbild weiblicher Schönheit, die beste Ehefrau von allen weiß, dass ich weg bin, sollte Cindy mal klingeln (mir droht das gleiche, sollte Georg Clooney vorbei schauen). 😂

Insofern war ich lange Zeit überzeugt, dass es nicht so schwer ist, top Bilder zu machen, wenn Cindy Crawford, Tatjana Patiz & Co sich vor der Linse tummeln. Folgerichtig fand ich die Bilder von Peter Lindbergh exzellent, konnte aber die tiefe Verehrung, die andere Fotografen ihm entgegenbrachten, nicht nachvollziehen. Heldenverehrung ist aber sowieso nicht mein Fall, vielleicht spielte auch das eine Rolle.

Diese Einschätzung hat sich im Laufe des letzten Jahres gewandelt, je mehr Bilder ich von ihm sah, um so begeisterter war ich und mich hat vor allem auch berührt, wie positiv er von den Menschen, die ihn kannten, charakterisiert wurde, auch schon vor seinem Tod.

Luise und ich waren letzte Woche dann in Düsseldorf in “untold stories”, der von ihm selbst noch kuratierten Ausstellung im Kunstpalast. Um es vorweg zu nehmen, wir waren maßlos begeistert. Mir gefällt immer noch nicht jedes Bild uneingeschränkt, ich verstehe nicht, warum eine Frau schräg von einem Stuhl kippen muss, außer es ist ein medizinischer Notfall. Gleichzeitig gab es eine Vielzahl an Bildern, die ich noch nicht kannte und die mir schlicht die Sprache verschlagen haben.

Aber vielleicht macht auch das den Reiz einer solchen Ausstellung aus, wir haben über 4 Stunden lang jedes einzelne Bild intensiv diskutiert, Meinungen ausgetauscht und so die Vorlieben des jeweilig anderen besser verstanden. Die Maskenpflicht war lästig, aber gleichzeitig war es durch die beschränkte Zutrittskontrolle angenehm leer, so dass die teils riesigen Bilder richtig wirken konnten.

Mich beschäftigen seitdem zwei Dinge. Erstens, warum Peter Lindbergh genau diese Bilder ausgesucht hat und zweitens, wie er es geschafft hat, diese menschliche Zugewandtheit, die man ihm nachsagt, in seinen Bildern spürbar zu machen.

Schaut euch die Ausstellung, wenn ihr die Möglichkeit habt, unbedingt an. Neben all den tollen Portraits bin ich gespannt, was ihr von dem Bild mit den zwei abgebildeten Händen haltet. Luise und ich waren berührt und das ist genau das, wofür diese Ausstellung für mich steht, sie hat mich berührt.


Olaf Korbanek